Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit

Die Bedeutung des Spiels

Jedes Kind, das die Kindertagesstätte besucht, bringt seine eigenen Erfahrungen mit, die es im Spiel weitergibt und verarbeitet. Beim Spielen und Experimentieren setzen sich die Kinder aktiv mit ihrer Umwelt auseinander. Im Vordergrund steht dabei der SPASS am Spiel.

Die Kinder entscheiden mit wem, was, wo und wie lange sie spielen möchten. Dabei lernen sie sich mit anderen abzusprechen, Regeln einzuhalten und Konflikte auszutragen. Das Spiel vermittelt dem Kind spielerisch Strategien zur Lebensbewältigung und hat einen sehr hohen Stellenwert. Im Umgang mit vielfältigem Spielmaterial entwickeln die Kinder Ausdauer, Kreativität, Konzentration, Selbstständigkeit und vieles mehr.

Entsprechend des Alters und des Entwicklungsstandes der Kinder gibt es verschiedene Phasen beim Spiel. Zunächst spielt das Kind meist allein oder neben den anderen, es experimentiert und erforscht. Danach bekommt das gemeinsame Spiel eine größere Bedeutung.

In der Kita sind auch Rollenspiele (Mutter – Vater – Kind, Doktor…) sehr beliebt. Der Zeitraum des Spiels wird immer größer und die Kommunikation wird immer intensiver.

Während des Spiels kann die Erzieherin die Kinder intensiv beobachten. Hier zeigen sich eine Fülle von sozialen Verhaltensweisen, individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen. Beim gemeinsamen Spiel mit den Kindern kann die Erzieherin den Spielinhalt lenken um den Kindern bei schwierigen Situationen zu helfen.

Französische Sprachvermittlung

Im Jahr 1985 wurde vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt das Sprachprojekt „Lerne die Sprache des Nachbarn“ angeboten. Für das Team und die Eltern stellten sich die Fragen: Warum eine Fremdsprache in der Kita? Ist das etwas für unsere Einrichtung?

Folgende Überlegungen wurden berücksichtigt:

Viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass junge Kinder über eine besondere Fähigkeit zur Aufnahme einer Fremdsprache verfügen. Diese optimale Lernphase endet ca. mit dem 7. Lebensjahr. Professor Franco Fabro von der Universität Triest konnte 1997 Ergebnisse aus der Hirnforschung vorlegen, die belegen, dass Kinder bis zum Alter von ca. 7 Jahren auf den Aufbau von sprachlichen Strukturen spezialisiert sind. Es werden beim Lernen von Sprache, auch einer Zweitsprache, bestimmte Gehirnstrukturen entwickelt über die das Kind dann verfügen kann. Später müssten dann dafür in anderen Arealen neue Gehirnstrukturen aufgebaut werden.

Ein anderer wichtiger Grund für den Fremdsprachenerwerb ist, dass in der frühen Kindheit die Grundlagen für die Entwicklung von sozialen Einstellungen gelegt werden. Haltungen, Werte und Vorurteile werden schon früh geformt. Durch den Umgang mit der Fremdsprache und einer fremdsprachigen Person werden positive Einstellungen gegenüber anderen Menschen, Kulturen, Lebensweisen und der Umwelt wesentlich gefördert. Bilinguale Erziehung vermittelt somit auch Toleranz und leistet dadurch einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Ein weiterer Aspekt ist das Lernen der Kinder. Das Kind erschließt sich im Vorschulalter die Welt im Spiel. Es ist neugierig, ahmt nach und wiederholt unbeschwert. Die Kinder lernen handlungsbezogen, Wiederholungen und damit Übungen ergeben sich von selbst.

Der frühe Kontakt mit einer Fremdsprache gibt dem Kind neue Anreize in seiner intellektuellen Entwicklung und bietet ihm positive Anregungen zu seiner Persönlichkeitsentwicklung.

Eine weitere Frage war: Warum ausgerechnet die französische Sprache?

Das Motto des Programms lautet: „Lerne die Sprache des Nachbarn“.

Frankreich ist unser größter Nachbar, dessen Land wir in kürzester Zeit erreichen können. Französisch ist in 35 Staaten der Welt Amtssprache und in vielen internationalen Organisationen Konferenzsprache. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Zweitsprache nicht so nahe an der Muttersprache liegen soll, was die Phonetik und die Grammatik betrifft. Englisch ist heute im strengen Sinn keine Fremdsprache mehr. Hat ein Kind in der frühen Kindheit die französische Sprache erlernt, wird es später die englische Sprache sehr einfach dazu lernen. Durch Französischkenntnisse wird auch das Erlernen romanischer Sprachen erleichtert.

Aufgrund dieser Überlegungen entschlossen sich die Eltern und das Team an diesem Projekt teilzunehmen.

Seit 1986 ist mittlerweile die dritte französische Sprachvermittlerin in unserer Kindertagesstätte tätig.

Nun stellen sich die zwei wichtigsten Fragen: Wie wird die Fremdsprache vermittelt? Welche Ziele setzen wir uns?

Die französische Sprachvermittlerin orientiert sich an der pädagogischen Arbeit in der Kita. Sie ergänzt das Angebot und arbeitet in der Gruppe integriert. Sie spricht mit den Kindern französisch in allen Bereichen des gemeinsamen Lebens. Wichtig ist eine gute emotionale Bindung zwischen der Sprachvermittlerin und den Kindern. So nehmen sie das französische Angebot an ohne zu merken, dass sie französisch lernen.

Die Zweitsprache wird durch altergemäße Angebote wie Fingerspiele, Lieder, Tänze, Spiele, beim Kochen und Basteln vermittelt. Bevorzugt werden Themen, die an den Interessen der Kinder ansetzen und sie zum Mitmachen motivieren. Mit Kreativität und Einfühlungsvermögen werden Anreize zur natürlichen Sprachbegegnung geschaffen.

Der Schwerpunkt liegt in der Entwicklung eines differenzierten Hörverständnisses. Durch den regelmäßigen Kontakt und die Wiederholungen entwickeln die Kinder ein Gefühl für den Klang der Sprache. Sie werden in die Lage versetzt einfache Aussagen in der französischen Sprache zu verstehen und die Laute nach und nach zu reproduzieren. Darauf folgt ein langsames Hinführen zu fremdsprachlichen Äußerungen. Das Sprechen, um z. B. Kontakt zu anderen Personen aufzunehmen, Gefühle und Bedürfnisse zu äußern oder Informationen einzuholen oder zu geben, ist der nächste Schritt.

Bei allem steht im Vordergrund, dass die Kinder dabei Spaß und Erfolgserlebnisse haben.

Vorschulerziehung

Mit dem Eintritt in die Kindertagesstätte eröffnet sich für die Kinder ein neuer Lebens- und Erfahrungsraum, in dem sie sich ständig weiterentwickeln. Sie erwerben Kompetenzen, die sie gleich anwenden können oder solche, die den ersten Schritt für weiteres Lernen ermöglichen.

Da die Schule die nächste Lebensstufe nach der Kita ist, ist auch alles Lernen hier in der Kita Vorbereitung auf die Schule. Während der gesamten Kindertagesstättenzeit bieten wir den Kindern altersspezifische und entwicklungsfördernde Angebote und Aktivitäten an.

Die Kinder erforschen neue Dinge, werden sachbezogen gefördert und lösen selbstständig Aufgaben. Im letzten Kitajahr achten wir verstärkt darauf, dass angefangene Arbeiten zu Ende geführt werden und die Kinder konzentriert ihrer Arbeit nachgehen.

Unsere Förderung der zukünftigen Schulkinder beschränkt sich nicht nur auf den kognitiven Bereich (das Denken). Auch das Arbeiten in der Gruppe (sozialer Bereich) und das Erlernen verschiedener Techniken sind uns wichtig.

Die Kinder haben viele Möglichkeiten zu entdecken, zum kreativen Gestalten, zum Bewegen und Musizieren, Spielen, Feiern und vielem mehr. In dieser Zeit führen wir auch das „Würzburger Trainingsprogramm“ durch.

„Hören, Lauschen, Lernen“ – Das Würzburger Trainingsprogramm 

Der Erfolg eines Kindes beim Lesen- und Schreibenlernen wurde in den letzten Jahren eingehend untersucht. Nach diesen gewonnenen Erkenntnissen wurde von der Universität Würzburg das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“ entwickelt.

Wichtig ist beim Lesen- und Schreibenlernen das alphabetische Prinzip der Schriftsprache zu begreifen. Gemäß diesem Prinzip ist die Sprache in eine Anzahl kleinster Lautsegmente (Phoneme) zerlegbar, die wiederum durch Schriftzeichen (Grapheme) repräsentiert werden können.

Hierbei müssen sich die Kinder von der inhaltlichen Bedeutung der Wörter abwenden und sich auf die formale Struktur der Wörter konzentrieren. Dieser Prozess wird als „phonologische Bewusstheit“ bezeichnet.

Das Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit besteht aus Spielen und Übungen aus sechs verschiedenen Bereichen, die dem Kind Einblick in die gesprochene Sprache verschaffen.

Im Jahr 2001 probierten wir das Trainingsprogramm mit den damaligen Schulanfängern erstmals aus. Dabei konnten wir feststellen, dass die Kinder gerne an den Sprachspielen teilnehmen. Außerdem konnten wir beobachten, dass viele Kinder die Lautstruktur der gesprochenen Sprache erkennen konnten.

Auch die positiven Rückmeldungen aus den beiden Grundschulen bestärkten uns in der Entscheidung das Trainingsprogramm zu einem festen Bestandteil unserer Vorschulerziehung zu machen. Wir führen es im letzten Kitahalbjahr 20 Wochen lang täglich durch.

Die zunehmende Selbstständigkeit der Kinder ermöglicht es jetzt viele Aktivitäten außerhalb der Tagesstätte zu unternehmen und neue Dinge kennen zu lernen.

Interessant ist es zum Beispiel in der Kunsthalle, wo die Kinder einige

Kunstwerke vorgestellt bekommen und auch selbst tätig werden dürfen.

Als Abschlussfahrt ist der Luisenpark immer wieder ein gefragtes Ziel. Er bietet viele Attraktionen (Führung durch das Schmetterlingshaus, Aquarium, Wasserspielplatz….).

Ein weiterer Höhepunkt ist die Übernachtung. Die Kinder übernachten gemeinsam mit ihren Erzieherinnen in der Kindertagesstätte. Es wird gespielt, einFahrradtour und eine Nachtwanderung veranstaltet. Nach dem gemeinsamen Frühstück holen die Eltern ihre Kinder nach der ereignisreichen Nacht wieder ab.

 

Bildungs- und Lerndokumentation

Die Erzieherinnen dokumentieren die individuelle Lern- und Entwicklungsgeschichte jedes Kindes.

Wir haben uns dafür entschieden unsere Beobachtungen in einem Din A 4- Ordner unter verschiedenen Aspekten zu sammeln. Diese Aspekte sind: „Deine Lern- und Entwicklungsgeschichte“, „Deine Werke“, „Projekte“, „Briefe von…“.

Die Beobachtungen und der Austausch darüber im Team sind die Grundlage um weitere Entwicklungs- und Bildungsprozesse zu unterstützen und zu fördern.

Unter der Rubrik „Deine Werke“ werden die Arbeitsergebnisse der Kinder gesammelt. Hier können die Kinder auch selbst Werke einheften. Dabei erfahren sie, dass ihre Aktivitäten eine Bedeutung haben und für wichtig erachtet werden.

Im Laufe der Kitazeit entsteht so die Darstellung des Entwicklungsverlaufs des Kindes. Die einzelnen Lern- und Bildungsschritte werden dabei sichtbar.